Computer Club Brake

Vortrag: "Statt Bits und Byte, heute Biss und Beiß" am 30.09.2005 von und mit Norbert Steenhus.

Als hier das Thema Sauerkraut anstand, bin ich wohl etwas leichtsinnig gewesen, als ich zugesagt habe darüber zu berichten. Allerdings habe ich dabei an die Sauerkohlfabrik gedacht, die in Brake auf dem Deich, von der Kaje aus gesehen, etwa 100 m vor der Staatswerft gestanden hat. (Korrekt - Weserkorrektion).
Seltsamerweise ist darüber in den Akten der Stadt Brake nichts zu finden. Weder über die Errichtung, noch den Betrieb und auch nicht über die Betriebstilllegung und Abriss des Gebäudes. Auch in den Akten des 2. Deichbandes war nichts zu finden.

Der Vortragende in Ation. Der Vortragende zeigt auf den ehemaligen Standort der Sauerkraut-Fabrik.
Laut Brandkassenregister wurde die Fabrikhalle Ende 1917 fertig gestellt. Bauherr war Karl Meiners, geb. 1876 als Sohn des Kahnschiffers Reinhard Friederick Meiners in Brake.
Meiners hatte schon vorher im Stallanbau seines Wohnhauses im kleinen Stil Sauerkohl hergestellt.
Da in Brake vom Versorgungsausschuss schon Ende 1916 ein Mangel an Sauerkohl festgestellt wurde, und das Jahr 1917 in ganz Deutschland ein Hungerjahr war, ist das Geschäft in den Jahren wohl gut gewesen. Der Kohl dazu kam überwiegend aus Aschwarden, also von der anderen Weserseite. Da Meiners über einen kleinen Anleger verfügte dürfte das Abladen der Kähne bei Hochwasser nicht schwierig gewesen sein. Später kam der Kohl auch von Elsfleth-Neuenfelde aber auch wegen der noch besseren Qualität aus Schleswig-Holstein.
Die Herstellung geschah zuerst genau so, wie bei jeder Hausfrau, nämlich in Handarbeit. Erst vor dem 2. Weltkrieg wurde eine einfache Maschine für das Schneiden angeschafft.

Der Vortragende im Großformat. Ehemaliger Standort (siehe Pfeil) der Sauerkraut-Fabrik.


Der Vortragende zeigt auf die ehemaligen Lagerbehälter der Sauerkraut-Fabrik.
Im Hintergrund der Halle waren die Becken, in denen der geschnittene Kohl eingestampft wurde. Dies geschah natürlich nicht mit den bloßen Füßen wie böse Zungen behaupten, sondern mittels Lederstiefel, die mit übergroßen Holzsohlen versehen waren. Im Allgemeinen war das Männerarbeit, doch vor allem im 2. Weltkrieg wurde dies auch von Frauen ausgeführt. Daher wurden die etwas stärkeren Beine der Braker Damen auch scherzhaft Sauerkraut-Stampfer genannt.

Der Vortragende zeigt auf eine Aufnahme der Betriebsleitung und Mitarbeiter der Sauerkraut-Fabrik. Damalige Betriebsleitung und Mitarbeiter der Sauerkraut-Fabrik etwa 1937. Von links stehend: 1. Friedrich Heinrich Schlüter; 2. Friedrich Buschhorn; 3. Hinrich Knutz; 4. Catharina Kimme geb. Logemann; 5. Karl Meiners (ehemaliger Besitzer); 6. Käthe Knutz, 7. Johann Kimme (Taragona, ehem. Kapitän); 8. Henny Meiners (Frau von Karl Meiners); 9. Lisa Meiners (Tochter von Ehepaar Meiners). Von links sitzend: 1. Meta Cordes; 2. Margarete Kimme
Im Jahr 1936 übernahm der Kaufmann Heinrich Schlüter die Fabrik, da Karl Meiners als Kaufmann im 3.Reich keine glückliche Hand hatte.
Über den Vertrieb der fertigen Ware habe ich auch nichts schriftliches finden können. Ich weiß nur soviel, dass das Kraut überwiegend in Fässer gefüllt wurde, die Größtenteils in Brake hergestellt wurden. Der größte Hersteller war wohl die Firma Bruns an der Breiten Straße jetzt Kuilert+Grandke. Ob und wie weit die Produktion im letzten Kriegsjahr aufrecht erhalten werden konnte und ob gleich nach Kriegsende die Tätigkeit wieder aufgenommen wurde konnte ich leider nicht erfahren. Ende der 40er Jahre bis etwa Mitte der 50er Jahre wurde dort jedenfalls produziert.
Auch das genaue Datum der Schließung habe ich nicht ermitteln können.
Die Halle wurde jedenfalls bei der Sturmflut 1962 unter Wasser gesetzt und danach abgebrochen.

Über die Herkunft!
Sauerkraut wird, wie kaum ein anderes Lebensmittel in aller Welt, mit Deutschland in Verbindung gebracht. Es ist aber keine deutsche Erfindung, und schon lange kein altgermanisches Gericht mit langer Tradition.
Pickelhaube und Sauerkraut mit Würstel galten als Sinnbild des deutschen Militarismus. Unsere damaligen Gegner bezeichneten die deutschen Soldaten als "The Krauts". Das ist auf einen englischen Satiriker namens James Gilray, der im 18.Jahrhundert lebte, zurückzuführen, der die Deutschen als dickbäuchige Krautesser darstellte.
Übrigens essen Franzosen und Amerikaner nicht mehr Kraut als wir.
Schon vor 6.000 Jahren sollen die Chinesen Sauerkraut gegessen haben. Zu uns soll es über Innerasien, von den Tataren über die Slawen, an die Alemannen gekommen sein.
Ein Zweig der Alemannen waren die Elsässer, und diese machten es ab dem 5.Jahrhundert zu ihrem Nationalgericht und zwar mit Wurst und Speck. Und dort gibt es noch heute die meisten Rezepte für die Zubereitung.
In allen anderen Ländern Europas war das Kraut immer ein Arme-Leute-Essen.
Auf die gesundheitlichen Vorzüge machte schon der berühmte griechische Arzt Hippokrates im 4.Jahrhundert vor Christi aufmerksam. Auch die Römer schrieben etwa 200 Jahre später darüber. Sie legten allerdings den ganzen Kohlkopf in Salzwasser ein. Und so macht es heute noch auf dem Balkan, und nimmt die Blätter dann als ganzes zur Zubereitung von Krautwickeln (Kohlrouladen).

Zur Historie gibt es auch noch folgende Geschichte!
James Cook, der große Weltumsegler, hat bekanntlich 60 Fässer mit je einer Tonne Sauerkraut an Bord genommen, um dem Skorbut seiner Mannschaft zu bekämpfen. Kaum bekannt ist, dass es ein Deutscher war, der den Engländer dazu animierte. Der Kupferschmied Henrich Zimmermann aus Wiesloch am Neckar, war ein passionierter Koch und Sauerkrautfreund. Er gab dem Schiffskoch zahlreiche Tipps, wie man Sauerkraut schmackhaft zubereiten könne. Aus den Reisebeschreibungen weiß man, dass vor allem gepökeltes Fleisch als Beilage diente.
Eine "gallertartige eingekochte Fleischbrühe" rundete den Geschmack ab. in seinem Buch "Reise um die Welt während den Jahren 1772 bis 1775" schreibt Georg Foster, dass die 60 Fässer Sauerkraut auf Befehl der englischen Admiralität mitgenommen werden mussten.

Auszug daraus (Zitat): Ungefähr vierzehn Tage vor unserer Ankunft in England fanden wir die letzte Tonne, die man bis dahin im Schiffsraum übersehen hatte, und auch diese enthielt so frisches und schmackhaftes Sauerkraut, dass verschiedene portugisische Herren, die auf der Rhede von Fayal mit uns speisten, nicht nur mit außerordentlichen Appetit davon aßen, sondern sich den im Fasse gebliebenen Rest ausbaten, um ihre Freunde am Lande damit zu bewirten. Es wird zwei mal die Woche, zur See aber, und besonders in den südlichen Gegenden auch öfter gereicht. Die Portion auf jeden Kopf war 1 Pfund. Dem deutschen Leser die guten Eigenschaften dieses Gerichts anzurühmen wäre überflüssig. Doch kann ich nicht umhin zu sagen, dass es vielleicht das allerbeste Präservativ (Schutz) gegen den Scharbock (Skorbut) ist, weil es in Menge eingenommen, und nicht als Medizin, sondern in großen Portionen als nahrhafte Speise gebraucht werden kann. ...   Zitatende

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